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Archivstück des II. Quartals 2020

Archivstück des II. Quartals 2020
Archivstück des II. Quartals 2020

Es ist keine leichte Aufgabe, das zehnte Archivstück vorzustellen.

Ist es grundsätzlich schon schwer, beim Blick in die Vergangenheit den uns dort begegnenden Menschen auch nur annähernd gerecht zu werden, so gilt dies umso mehr, wenn man Einblick in bewegende Schicksale gewinnt, wie es hier der Fall ist.

 

Kirche und Pfarrhaus sollen durchsucht werden

Das Archivstück gehört zu einer nur zwei Einzelstücke umfassenden Akte, die sich im Pfarrarchiv erhalten hat. Es handelt sich um die Abschrift einer Weisung des kurtrierischen Offizialats in Koblenz an den Limburger Landdechanten Janny[1] vom 28. Februar 1767. Dieser wird darin aufgefordert, die Kirche und das Pfarrhaus in Haintchen zu durchsuchen. Gesucht werden soll nach einer Frau namens Anna Maria Hering, der vorgeworfen wird, eine Kindsmörderin zu sein. Sollte sie von Janny an dem einen oder anderen Ort vorgefunden werden, sei sie im Kerker festzusetzen. In dem Fall aber, dass eine Prüfung des Falls durch das Offizialat der Beschuldigten Asyl zubillige, sei sie wieder an den Ort zurückzubringen, wo man sie gefunden habe[2].

Ein Kriminalfall deutet sich an. Einzelheiten erfahren wir aber kaum.

 

Der Bericht des Frühmessers

Der damalige Frühmesser von Haintchen, Benefiziat Peter Christian Winzmann[3], hat aus seiner Perspektive[4] eine Schilderung der Ereignisse abgefasst[5], die uns einen genaueren Einblick in das Geschehen ermöglicht.

 

Demnach wurde der Haintchener Pfarrer Peter Jakob Brixius[6] am Abend des 17. Februar 1767 zu Philipp Rau[7] gerufen. Dieser habe dem Pfarrer eröffnet, daß seine Magd Anna Maria Hering […] aller anzeig nach ein Kind gebohren habe. Die herbeigerufene Hebamme[8] konnte nach einer Untersuchung der Magd nicht sicher feststellen, daß sie würklich gebohren[9]. Die Frau selbst bestritt, ein Kind zur Welt gebracht zu haben.

 

Wer war Anna Maria Hering?

Anna Maria Hering stammte aus Ailertchen im Westerwald[10], das zum Kirchspiel Höhn gehörte. Sie wurde wahrscheinlich im Jahr 1739 geboren[11]. In Haintchen arbeitete sie als Magd bei Philipp Rau, der neben einer Landwirtschaft auch ein Gasthaus, das sog. „Welsche Bierhaus“ [12]  an der Hessenstraße führte. Es lag gegenüber dem alten Haintchener Pfarrhaus.

 

Der Plan von Pfarrer und Frühmesser scheitert

Pfarrer Brixius und Benefiziat Winzmann waren, trotz der anders lautenden Aussage der Beschuldigten, davon überzeugt, dass Anna Maria Hering ein Kind geboren hatte[13]. Sie hofften rechtzeitig und in aller Stille die person aus dem weeg schaffen zu können; d.h. der Magd zur Flucht aus dem Gasthaus des Philipp Rau und aus dem Dorf zu verhelfen[14].

Dieser Plan ließ sich allerdings nicht umsetzten, da die Nachricht vom Verdacht gegen die Frau schnell öffentlich wurde. Zudem gab die Beschuldigte, als sie mit Vorhaltungen konfrontiert wurde, den Ort an, wo das Kind zu finden sei[15], was gleichfalls unmittelbar bekannt wurde. Daraufhin sah sich Philipp Rau als Dienst- und Hausherr genötigt die Schultheißen[16] zu informieren. Diese ordnete an, Anna Maria Hering unter Bewachung zu stellen.

 

Flucht ins Pfarrhaus – Flucht in die Kirche

Nachdem Pfarrer und Frühmesser den Tod des herbeigebrachten Kindes öffentlich festgestellt hatten[17], beeilten sie sich, Anna Maria Hering vor ihrer Sicherstellung durch die herbeigerufene Wache[18] aus dem „Welschen Bierhaus“ zu entfernen und an einen sicheren Ort zu bringen. Unter dem Vorwand, der Magd die Beichte abnehmen zu wollen, ermöglichten sie ihr die Flucht ins gegenübergelegene Pfarrhaus. Allerdings bemerkten die Schultheißen und die Wache recht bald das Fehlen der Beschuldigten. Daraufhin wurde das Pfarrhaus umstellt - offenbar reimte man sich schnell zusammen, was passiert war.[19].

Im Schutz der Dunkelheit wollten Brixius und Winzmann die Magd nun auch aus dem Pfarrhaus entkommen lassen. Die Flucht wurde aber bemerkt, es wurde geschossen[20] und Anna Maria Hering flüchtete zur naheliegenden Kirche, die der herbeieilende Frühmesser schnell aufschloss[21]. Daraufhin zogen Wachen auf dem Kirchhof auf, betraten aber die Kirche nicht[22].

 

Die Obrigkeit greift ein[23]

Eine Stunde vor Mitternacht traf der Amtsschreiber[24] aus Camberg in Haintchen ein. Dieser wies die aufgezogene Wache an, den Kirchhof zu verlassen[25]. Damit hatte sich die weltliche Obrigkeit in Gestalt des gemeinschaftlichen Amts Camberg des Falles angenommen.

Pfarrer Brixius erstattete den zuständigen kurtrierischen Stellen Bericht über den Vorgang. Von dort erhielt er die Anweisung, jedes weitere Vorgehen gegen den Aufenthalt der Verdächtigen in der Kirche zu verhindern, bis neue Befehle des Offizialats einträfen.

 

Nun erreicht die Schilderung des Frühmessers den Zeitpunkt des Geschehens, den auch das Archivstück widerspiegelt[26]:

 

Die Festsetzung der Anna Maria Hering

Janny traf Anfang März in Haintchen ein[27]. Demnach hatte Anna Maria Hering bis zu diesem Zeitpunkt zwei Wochen im Schutz der Kirche zugebracht. Er begab sich nun mit den Sendschöffen[28] und dem Schulmeister[29] zur Kirche[30]. An der oberen Kirchhofsthor zeigte er die an ihn ergangene Weisung des Offizialats dem dort wartenden kurtrierischen Oberamtmann Schütz von Holzhausen, dem nassau-oranischen Amtmann Rühle und allen gewarthig zusammen geloffenen leuthen vor. Janny ließ sich von den Amtmännern zusichern, dass diese die Verdächtige im Falle des Vorliegens eines Asylgrundes wieder zur Kirche zurückbringen würden[31]. Dann wurde die Kirche in Anwesenheit Jannys von den Sendschöffen und dem Schulmeister durchsucht[32]. Man fand die Beschuldigte schließlich auf der orgel. Janny gelang es, Anna Maria Hering dazu zu bewegen, ihm freiwillig nach draußen zu folgen. Die Magd vernahm nun aus dem Mund der Amtmänner die Zusicherung, sie zur Kirche zurück zu bringen, falls in ihrem Fall ein Asylgrund vorläge. Daraufhin verließ die Beschuldigte den geschützten Bereich des Kirchhofs. 20 Wächter brachten sie zurück in den Gasthof des Philipp Rau, wo sie durch geistliche und weltliche Obrigkeit verhört wurde. Anna Maria Hering stritt dabei wiederum alle gegen sie erhobenen Vorwürfe ab. Am nächsten Tag[33] wurde sie nach Camberg überstellt. Dort blieb sie in Haft, bis aus Koblenz die Nachricht eintraf, dass Anna Maria Hering kein Asyl genießen und nicht in die Haintchener Kirche zurückgebracht werden dürfe.

Mit dieser Nachricht endet der Bericht des Frühmessers.

 

Das weitere Schicksal der Anna Maria Hering

Ein knapper Eintrag Winzmanns im Jahr 1769 berichtet, dass Anna Maria Hering am 28. November nach Diez überstellt worden sei[34]. Ein Aktenkonvolut im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden bestätigt diese Nachricht[35]. Als der Haintchener Pfarrer Gerlach Ponsar[36] im Jahr 1789 eine Beschreibung der Pfarrei Haintchen[37] anfertigte, befasste er sich auch mit dem Thema Kirchenasyl: Er legt zunächst dar, dass grundsätzlich Todesverbrecher in der Kirche und auf dem Kirchhof Asyl genießen und von dort nicht durch die Obrigkeit entfernt werden dürfen. Ausnahmen hiervon lege das Kirchenrecht fest. In einem solchen Fall müsse der Beschuldigte an die weltliche Obrigkeit übergeben werden. Ponsar fährt fort:  Davon kann Haintchen noch ein Beispiel vom Jahr 1767 an der Kindesmörderin A. Maria Heringin aufweisen. Die hier gewählte Bezeichung „Kindesmörderin“ legt den Schluss nahe, dass Anna Maria Hering tatsächlich verurteilt und wahrscheinlich hingerichtet wurde.

Die Haintchener Kirche konnte ihr keinen Schutz bieten.

Was mit der Leiche des von Anna Maria Hering geborenen Kindes geschah, erfahren wir nicht. Da das Kind wohl keine Taufe erhalten hatte, taucht es in den Kirchenbüchern nicht auf. Vermutlich wurde es außerhalb des Kirchhofes beigesetzt.

Der Kindsvater tritt in den vorliegenden Quellen nicht in Erscheinung[38].

 

Kurz notiert: Ein Haintchener Franziskaner in Böhmen

s. Ende des Dokuments

 

 

Pfarrarchiv Haintchen

Kurtrierische Zeit, Mappe: Vorwurf des Kindsmords gegen Anna Maria Hering

 

Das kurtrierische Offizialat in Koblenz weist Landdechant Janny aus Limburg an, die Haintchener Pfarrkirche und das Pfarrhaus nach Anna Maria Hering zu durchsuchen,

Koblenz, 28. Februar 1767

Abschrift[39]

 

 

Von wegen deß NiederErtzstift. Trierischen officialatß

Wird deme Landdechanden Janny zu Limburg hiermit auffgetragen, die Pfarr Kirche, und Pfarr Hauß zu Haintgen ohne Verschub zu durchsuchen, und falß Anna Maria Heringin angegebene Kinds-mörderin darinnen vorgefunden werden sollte, dieselbe erga reversales de detinenda in Cacere Archi Episcopali, et restituenda ad locum unde casu, quo Asylo gauderet[40], deme gemeindschafftl[iche] Amt Camberg zu extractiren[41].

Coblentz am oberwehnten off[iziala]lt. Den 28ten februar 1767

Ex Mandato[42]

J[ohann Peter] Kopp[43]

Praesentes originali conformes attetstor[44] F[ranz] L[udwig] Janny [?]

Kurz notiert: Ein Haintchener Franziskaner in Böhmen

Peter Rau stiftete am 12. Juni 1726 20 Reichstaler für die Feier von zwei Jahrämtern (Anniversarien) für seine Familie. Die Ämter wurden an den beiden auf das Fronleichnamsfest folgenden Tagen in der Haintchener St. Nikolauskirche gefeiert[45].

Pfarrer Franciscus Kraus[46] überliefert in seinem Eintrag zur Person des Stifters: F[rater] Peter Raw tertij ord[inis] S[ancti] Francisci[47], zur Zeith in dem franciscaner Closterzu Sasmuk in Böhmen unter den Graffen Starenberg Excell.[48] Wohnhafft […].

Der Eintritt in den Orden hatte Peter Rau weit aus seinem Heimatdorf hinaus geführt. Leider gibt uns der Eintrag keinen Einblick in die einzelnen Stationen auf diesem Weg: Wann und wo war er in den Dritten Orden der Franziskaner eingetreten? Was hatte ihn nach Böhmen geführt? Wie sah sein weiteres Schicksal aus?

 

 

 

[1]             Franz Ludwig Janny, stammte wohl aus Ehrenbreitstein, 1726 Tonsur in Koblenz, 1738 Studium in Trier, 1739 Diakonatsweihe, 1740 Priesterweihe, 1747-52 Kanoniker am St. Severusstift in Boppard, 1752 Kanoniker am St. Georgsstift in Limburg und Pfarrer dasselbst, Wolf-Heino Struck, Die Bistümer der Kirchenprovinz Trier. Das Erzbistum Trier 4: Das Stift St. Lubentius in Dietkirchen (Germania Sacra NF 22), 318; Ferdinand Pauly, Die Bistümer der Kirchenprovinz Trier. Das Erzbistum Trier 2: Die Stifte St. Severus in Boppard, St. Goar in St. Goar, Liebfrauen in Oberwesel, St. Martin in Oberwesel, 133; Germania Sacra GSN 032-01682-001 in: Germania Sacra, http://personendatenbank.germania sacra.de/index/gsn/032-01692-001 (Abgerufen: 28.4.2020).

[2]             Bei dem zweiten in der Akte befindlichen Schriftstück handelt es sich um die Abschrift der Zusicherung des kurtrierischen Oberamtmanns Benedikt Marian Schütz von Holzhausen und des nassau-oranischen Amtmanns Jakob Christian Rühle, Anna Maria Hering von Landdechant Janny zu übernehmen und im Kerker festzusetzten. Dieselbe aber, im Falle, dass sie Asyl genießen sollte, wieder an ihren letzten Aufenthaltsort zurückzubringen. Dieses Schriftstück ist auf den 2. März 1767 datiert und wurde in Haintchen abgefasst.

[3]           Peter Christian Winzmann (+30.5.1790), stammte aus Würges, Neffe des dortigen nassau-oranischen Schultheiß Johannes Winzmann, ca. 1758 Frühmesser in Haintchen, 1774 Frühmesser in Niederselters, Pfarrarchiv Haintchen, Kurtrierische Zeit, Mappe: Frühmesserei Amtsbuch (Hauptbuch), 65, 76; Eugen Caspary, Das Hartmannsche Beneficium von 1758, in: 600 Jahre Haintchen, 169-188, hier: 170f; Hellmuth Gensicke, Von den Anfängen bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, in: Geschichte von Niederselters, Niederselters 1994, 67-94, hier: 80.

[4]             Bei der Darstellung der Ereignisse ist die besondere Perspektive des Benefiziaten Winzmann zu beachten: Der Eintrag erfolgte in das Amtsbuch der Frühmesserei, d.h. der Verfasser wusste darum, dass seine einstigen Nachfolger den Bericht lesen würden. Aus den weiteren Eintragungen geht hervor, dass Winzmann sowohl mit Pfarrer Brixius als auch mit der Gemeinde Haintchen häufig bezüglich seiner Rechte und Pflichten in Auseinandersetzungen geriet. In der Schilderung der Ereignisse um Anna Maria Hering erscheint Winzmann stets als derjenige, der agiert. Pfarrer Brixius wirkt dagegen fast orientierungslos, bestenfalls folgt er den Vorschlägen des Frühmessers. Nach der gelungenen Flucht der Magd ins Pfarrhaus schlägt Brixius, laut Winzmann, erstmal vor, eine bouteille Wein zu trinken.

[5]             Pfarrarchiv Haintchen, Kurtrierische Zeit, Mappe: Frühmesserei Amtsbuch (Hauptbuch), 59-63.

[6]           Peter Jakob Brixius, von 1756-78 Pfarrer in Haintchen s. Alois Staudt, Beiträge zur neueren Kirchengeschichte, in: 600 Jahre Haintchen, 79-112, hier: 105, s.a. ASdQ 2 (2018) und 6 (2019/2).

[7]             Philipp Rau (1695?-1767) Gerichtsschöffe. Rau gehörte zur dörflichen Oberschicht und hatte den Neubau der Pfarrkirche gefördert. Außerdem erklärte er sich bei der Errichtung der Frühmesserei 1758 bereit, ein Wohnhaus für den Benefiziaten zur Verfügung zu stellen, Pfarrarchiv Haintchen, Kurtrierische Zeit, Mappe: Frühmesserei Amtsbuch (Hauptbuch), 5. Zu Rau s.a. ASdQ 1 (2018), 3 (2018), 5 (2019/1), 6 (2019/2), 8 (2019/4).

[8]             Es handelte sich um die Ehefrau des Johann Sartorius; mit ihr kam auch die Frau des Schulmeisters Johannes Baptist Klee, Pfarrarchiv Haintchen, Kurtrierische Zeit, Mappe: Frühmesserei Amtsbuch, 59. – Die Hebamme wurde durch die Frauen des Dorfes gewählt und danach vom Pfarrer in nötiger Taufwissenschaft unterrichtet und beeidiget, siehe dazu die Beschreibung der Pfarrei Haintchen durch Pfarrer Ponsar abgedruckt in Alois Staudt, Beiträge zur neueren Kirchengeschichte, in 600 Jahre Haintchen, 79-112, hier 89.

[9]           Anna Maria Hering scheint jedenfalls bettlägrig gewesen zu sein.

[10]            Ailertchen gehört heute zur Verbandsgemeinde Westerburg im Westerwaldkreis. Im Jahr 1767 gehörte das Dorf zum Amt Marienberg im Fürstentum Nassau-Diez (Nassau-Oranien), Walter Wagner, Das Rhein-Main-Gebiet 1787, Darmstadt 1938 [ND Darmstadt 1975], 86.

[11]            DAL Hoehn K 101, Taufen 1723-1752.

[12]            Die Bezeichnung „Welsches Bierhaus“ verweist auf Bierbrauer aus dem romanischen Sprachraum. Es handelt sich wahrscheinlich um das nachmalige Gasthaus „Zum Hirsch“ (Hessenstraße 25). Dort soll sich auch eine Postkutschenhaltestelle befunden haben, s. Rüdiger Fluck, Hetteanton …, Camberger Straße, Eisenbacher Weg, Hessenstraße, Haintchen 2009. Hier findet sich auch ein Hinweis auf Vorfahren der Besitzerfamilie mit dem Namen Deboul. Diese Familie war wiederum mit der Familie Rau verbunden, s. dazu Stiftungen von Philipp Rau und seiner Ehefrau Anna Maria, geb. Mollie, für ihre verstorbene[n] jungfer[n] Anna Eva [und] Anna Catharina Deboulin im Jahr 1760, Pfarrarchiv Haintchen, Amtsbuch (Hauptbuch) Bd. 3, 4. – Winzmann schildert, wie Pfarrer Brixius der jungfer Scholastika Deboulin Vorwürfe macht, weil sie Anna Maria Hering nicht heimlich zur Flucht verholfen habe,  Pfarrarchiv Haintchen, Amtsbuch (Hauptbuch) der Frühmesserei Haintchen, 59f. Außerdem erwähnt der Frühmesser die Mitwirkung von Mauritius Deboul bei der Errichtung der Frühmesserei in Haintchen. Zu Mauritius Deboul s. ASdQ 3 (2018).  In einer Mitteilung des Pfarrers von Grävenwiesbach aus dem Jahr 1760 wird Philipp Rau als Wirth Welsch zum Haintgen angesprochen, s. Pfarrarchiv Haintchen, Kurtrierische Zeit, „Nachlassangelegenheiten“, Nachlass Eschweiler, s.a. ASdQ 5 (2019/1).

[13]            Worauf sich diese Annahme stützte, lässt sich nicht erkennen.

[14]            Ihre Beweggründe dafür sind nicht zu erkennen.

[15]          Das Kind lag in eine Schürze gewickelt im grommet Stall, Pfarrarchiv Haintchen, Kurtrierische Zeit, Mappe: Frühmesserei Amtsbuch (Hauptbuch), 59.

[16]          Schultheißen waren: Johannes Roth (Kurtrier) und Johann Gerlach (Nassau-Oranien). – In der Darstellung Winzmanns erscheint v.a. das Vorgehen des nassau-oranischen Schultheißen sehr brüsk.

[17]            Pfarrarchiv Haintchen, Kurtrierische Zeit, Mappe: Frühmesserei Amtsbuch (Hauptbuch), 60.

[18]            Dabei handelte es sich wahrscheinlich um das Haintchener Kontingent des Amtsausschusses. Bei dem Amtsausschuss handelte es sich um das Aufgebot der wehrfähigen Männer des gemeinschaftlichen Amts Camberg.

[19]            Auch hieß es nun, dass noch in der Nacht der ganze amts ausschuß anhero kommen sollte, Pfarrarchiv Haintchen, Kurtrierische Zeit, Mappe: Frühmesserei Amtsbuch (Hauptbuch), 61.

[20]            Winzmann charakterisiert die Wachposten als bluthunde, Pfarrarchiv Haintchen, Kurtrierische Zeit, Mappe: Frühmesserei Amtsbuch (Hauptbuch), 61.

[21]            Ob die Flucht in die Kirche tatsächlich Folge des abgegebenen Schusses oder kalkuliert war, bleibt unklar. Pfarrer und Frühmesser mussten um den besonderen Schutz wissen, den der Aufenthalt in der Kirche und auf dem Kirchhof bot.

[22]          Die Wachposten erhielten den Befehl selbst den Pfarrer nicht mehr in die Kirche zu lassen. Winzmann protestierte dagegen und ging mit dem Pfarrer gemeinsam in die Kirche um der Magd eine Decke und Nachtgeschirrzu bringen, Pfarrarchiv Haintchen, Kurtrierische Zeit, Mappe: Frühmesserei Amtsbuch (Hauptbuch), 61.

[23]            Der Vorwurf des Kindsmordes und das Auffinden des toten Kindes machten ein Eingreifen der Obrigkeit unumgänglich. Kurtrier war dabei sowohl als weltliche Obrigkeit - zusammen mit Nassau-Oranien - als auch als geistliche Obrigkeit gefordert.

[24]            Ludwig Franz Wenzel war von 1749-1764 Amtsschreiber bzw. Amtssekretär, Hellmuth Gensicke, Vom Mittelalter zur Neuzeit, in: Camberg 700 Jahre Stadtrechte, 25-48, hier: 47.  – Allerdings wird im Protokollband des Offizialats in Koblenz ein Bericht des Amtssekretärs Fischer [Johann Georg Wilhelm Fischer?] erwähnt.

[25]            Von Seiten des Amtsschreibers, der als Stellvertreter des Amtmanns fungierte, wurde damit der grundsätzlich vor weltlichem Zugriff geschützte kirchliche Bereich anerkannt.

[26]          Winzmann zitiert teilweise wörtlich aus der Weisung an den Landdechanten Janny. Leider fehlt im Fortgang seiner Schilderung die weitere Datierung der Ereignisse.

[27]            Vermutlich 2. März 1767, s. Kopie des Schreibens von Oberamtmann Schütz von Holzhausen und Amtmann Rühle, Pfarrarchiv Haintchen, Kurtrierische Zeit, Mappe: Vorwurf des Kindsmords gegen Anna Maria Hering.

[28]         Sendschöffen waren damals Dietrich Urban und Ludwig Mollie.

[29]         Schulmeister war damals Johannes Baptist Klee. Er stammte aus Obermörlen und  war zwischen 1740 und 1776 sowie nach 1787 bis 1812 Schulmeister in Haintchen, s. dazu: Katharina Stoll, Die Schulgeschichte Haintchens, in: 600 Jahre Haintchen, 219-231, hier: 220f.

[30]         Nach seiner Ankunft hatte Janny sich zunächst zu Pfarrer Brixius begeben und ihm die kurtrierische Weisung gezeigt, Pfarrarchiv Haintchen, Kurtrierische Zeit, Mappe: Frühmesserei Amtsbuch (Hauptbuch), 62.

[31]         S. Pfarrarchiv Haintchen, Kurtrierische Zeit, Mappe: Vorwurf des Kindsmords gegen Anna Maria Hering.

[32]            Sendschöffen und Schulmeister wurden zuvor von Janny vereidigt. Pfarrer Brixius, der Frühmesser Winzmann und Hofkaplan Schmitt (wahrscheinlich handelte es sich um den Hohenfeld´schen Kaplan Peter Schmitt) warteten indessen vor der Kirche, Pfarrarchiv Haintchen, Kurtrierische Zeit, Mappe: Vorwurf des Kindsmords gegen Anna Maria Hering, 62.

[33]            Vermutlich am 3. März 1767.

[34]            Pfarrarchiv Haintchen, Kurtrierische Zeit, Mappe: Frühmesserei Amtsbuch (Hauptbuch), 68.

[35]            HHStAW Abt. 352 Nr. 1144. – Weitere Informationen könnten auch die ebenfalls im HHStAW aufbewahrten Amtsprotokolle des Amts Camberg bieten.

[36]            Gerlach Ponsar (7.3.1740-30.11.1789), Pfarrer in Haintchen 1778-1789, s.a. ASdQ 7 (2019/3), 9 (2020/1).

[37]          Beschreibung der Pfarrei Haintchen durch Pfarrer Ponsar abgedruckt in Alois Staudt, Beiträge zur neueren Kirchengeschichte, in 600 Jahre Haintchen, 79-112, hier 90.

 

[38]            Als Anna Maria Hering mit Vorwürfen seitens einer Frau aus dem Dorf konfrontiert wurde, sagte sie: Ewer Philipp hat es gethan, Pfarrarchiv Haintchen, Kurtrierische Zeit, Mappe: Vorwurf des Kindsmords gegen Anna Maria Hering, 59.

[39]            Die Abschrift wurde durch Pfarrer Brixius angefertigt. Die Zuschreibung erfolgt aufgrund Schriftvergleich.

[40]            Lat.: […] gegen die Rückversicherung des Festsetzens im erzbischöflichen Kerker und des Zurückgebens an den Ort woher [wo sie gefunden wurde] in dem Fall, dass sie durch das Asyl erfreut würde.

[41]            übergeben, auszuhändigen

[42]            Lat.: auf Befehl, im Auftrag

[43]          Johann Peter Kopp (+1801), stammte aus Mainz, 1758-65 Kanoniker am St. Martin und St. Severus-Stift zu Münstermaifeld, 1763 Ernennung zum Siegler des Offizialats in Koblenz, Kanoniker an St. Kastor in Koblenz, Assessor des Konsistoriums zu Koblenz, 1773-1801 Pfarrer an Liebfrauen in Koblenz, Praeses des erzbischöflichen Priesterseminars in Koblenz, Kommissar der Eremitenkongregation, Clemens Graf von Looz-Corswarem, Die Bistümer der Kirchenprovinz Trier. Das Erzbistum Trier 12. Das Kollegiatstift St. Martin und St. Severus zu Münstermaifeld (Germania Sacra 3F 10), 947; GSN: 074-02743-001, in: Germania Sacra, personendatenbak.germania-sacra.de/index/gsn/074-02743-001 (Abgerufen: 28.4.2020); Franz Como, Die Eremitenkongregation im Niedererzstift Trier (1706-1813), in: AmrhKG 16 (1964), 176-199, hier: 185, 188f, 197.

[44]            Lat.: Ich bestätige die Gleichförmigkeit des Gegenwärtigen mit dem Original.

[45]            Pfarrarchiv Haintchen, Kurtrierische Zeit, Amtsbücher, Hauptbuch Bd.1, Messstiftungen, 83, 85.

[46]            Franciscus Kraus, 1699-1703 Pfarrer in Hasselbach, nach 1707-1725/26? Pfarrer in Haintchen, spätestens seit 1728 Pfarrer in Niedererbach, Bertold Menningen, Pfarrkirche St. Margaretha zu Hasselbach/Ts., in: 700 Jahre Hasselbach, 85-102, hier:101, Alois Staudt, Beiträge zur neueren Kirchengeschichte, in: 600 Jahre Haintchen, 79-U112, hier: 105, Pfarrarchiv Haintchen, Amtsbücher, Hauptbuch Bd. 1, Stiftungen, fol. 25. – Der hier angeführte Eintrag wurde durch Schriftvergleich Pfarrer Kraus zugeschrieben.

[47]            Lat.: Bruder Peter Rau des Dritten Ordens des Heiligen Franziskus. – Die Mitglieder eines sog. Dritten Ordens (Terziaren) empfingen keine Weihe. Deshalb auch die Anrede „Frater/Bruder“ statt „Pater/Vater“ für geweihte Ordensmitglieder. Ursprünglich handelte es sich um Männer (und Frauen), die nach christlicher Vollkommenheit, z.B. in der Nachfolge des Hl. Franziskus strebten. Im Lauf der Zeit legten sie, wie andere Ordensmitglieder, Gelübde ab und lebten in Klausur, s. „Terziaren“, in: Georg Denzler, Carl Andresen, Wörterbuch der Kirchengeschichte, München11980, 580f.

[48]            Das Franziskanerkloster im böhmischen Sasmuk (heute: Zásmuky) wurde 1694 durch die Reichsgrafen von Sternberg gegründet.

 

 

 

 

 

 

 

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